In der Tiefe

20.01.2018

Schrecknisse, die in der Tiefe lauern, können unterschiedliche Gestalt annehmen. Gelegentlich führen sie den erschaudernden Betrachter in atavistisches Verhalten zurück, so wie hier in William Rider Haggard's Roman Das Elfenbeinkind (übersetzt von Arthur Heye):

 

Ich wollte Wild zurückhalten. Ich war jetzt überzeugt, daß er irrsinnig geworden war. Aber plötzlich schoß er behende auf den Eingang der Höhle zu. Ich folgte selbstverständlich. Aber als ich gerade denselben erreicht hatte, sah ich das Licht seiner Laterne bereits etwa sieben Meter tief drinnen im Tunnel. Und im gleichen Augenblick hörte ich auch schon ein unheimliches Zischen und Wilds Aufschrei: ›O mein Gott!‹ zweimal hintereinander. Die Laterne war ihm aus der Hand gefallen, aber sie ging nicht aus, denn wie Sie wissen, brennt sie in jeder Lage. Ich sprang hinzu, raffte sie vom Boden auf und sah Wild in rasender Geschwindigkeit in die Höhle hineinlaufen. Ich hielt die Laterne über den Kopf empor und spähte hin. Und ich sah folgendes:Ungefähr zehn Schritt vor mir tanzte Wild mit ausgestreckten Armen hin und her – jawohl, er tanzte –, erst nach der rechten, dann nach der linken Seite, und er tanzte mit einer schrecklich anmutenden Grazie und zu den Tönen einer entsetzlichen, zischenden Musik. Ich hielt die Laterne noch höher und sah vor ihm, etwa zweieinhalb bis drei Meter hoch in der Luft erhoben, den Kopf einer Schlange von geradezu riesenhaften Dimensionen schimmern. Sie war so breit wie der Boden eines Karrens, der Nacken war mindestens so dick wie meine Taille, und der gewundene Körper dahinter, der sich in der Dunkelheit verlor, erreichte den Umfang eines Fasses und glitzerte grün und grau mit silbernen und goldenen Streifen.

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