In der Tiefe

28.10.2017

Auch die Tiefe des Ozeans ist ein klassischer Ort des Grauens. Unüberwindliche Kräfte ziehen alles in den Abgrund, was sie in ihre Gewalt bekommen, so wie hier in Edgar Allan Poe’s „In der Tiefe des Maelstroms“ (übersetzt von Wilhelm Cremer):

 

Die Oberfläche des Wassers war in tausend miteinander kämpfende Kanäle zerrissen. Sie schwoll an und kochte und zischte, sie bildete unzählige, riesige Wirbel und bewegte sich dabei mit einer Geschwindigkeit nach Osten, wie man sie nur bei einem abschüssigen Wasserfall sieht.

Wenige Minuten später trat in dem Bild eine neue, radikale Veränderung ein. Die Fläche des Wassers wurde etwas ruhiger, und die Wirbel verschwanden einer nach dem andern, während gewaltige Schaumstreifen sichtbar wurden. Die Streifen dehnten sich immer mehr aus, verbanden sich miteinander und schienen allmählich die Form eines großen Trichters anzunehmen. Plötzlich  – ganz plötzlich – hatten sie einen Kreis von ungefähr einer Meile im Durchmesser um einen deutlich sichtbaren Strudel gebildet. Der Rand dieses gewaltigen Strudels war von einem breiten Gürtel leuchtenden Schaums umgeben, im Innern aber gähnte ein tiefer Abgrund, der von einer glatten und schwarzglänzenden Wasserwand gebildet wurde. Dieselbe senkte sich in einem Winkel von etwa fünfundvierzig Grad und jagte mit leichten Hebungen und Senkungen in betäubender Geschwindigkeit im Kreise herum, wobei sie ein kreischendes, brüllendes Tosen ausstieß, wie es kaum der gewaltige Niagarafall zum Himmel sendet.

 

Die Anthologie-Ausschreibung "In der Tiefe" des Litac-Verlages läuft noch bis zum 30.11.2017!

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