In der Tiefe

21.10.2017

Der Schauder des Unterirdischen und die Lust am Verborgenen lassen sich auch künstlich erzeugen. In zahlreichen Follies englischer Parks kann man das erleben, so wie zum Beispiel in der Grotte von Hawkstone Park in Shropshire.

Hier die Eindrücke von Hermann Fürst von Pückler-Muskau, aus Briefe eines Verstorbenen:

 

Die kletternde Promenade, die im Winter sogar nicht ganz ohne Gefahr ist, dauerte vier Stunden.

Ueber einen weiten Wiesenplan, von Eichen beschattet und von waidenden Heerden bedeckt, wanderten wir auf sehr nassem Boden (denn es hatte leider die ganze Nacht geregnet und geschneit) den Kupferfelsen zu. Diese erheben sich über einen hohen Abhang alter Buchen, wie eine darüber hängende Mauer, und sind oben wieder mit schwarzem Nadelholz gekrönt, was einen herrlichen Anblick gewährt. In dieser natürlichen Mauer befindet sich die erste Hauptparthie des Parks, die Grotte genannt, zu welcher man durch einen dunkeln in den Felsen gehauenen, bedeckten Weg von mehr als hundert Fuß Länge gelangt, nachdem man vorher eine geraume Zeit im Walde mühsam im Zickzack bergan gestiegen. Die Grotte besteht aus mehreren Höhlen, mit allerlei Steinen und Metallerzen inkrustirt, in welchen einige angebrachte Oefnungen, die mit bunten, brillantartig geschliffenen, kleinen Glasscheiben ausgesetzt sind, in der Dunkelheit täuschend Aladinschen Edelsteinen gleichen. Eine alte Frau, welche wenigstens 50 Jahre zählte, war unsre Führerin, und erregte vielfach unsre Verwunderung durch ihre Ausdauer im Marschiren, und der Gewandtheit, mit der sie die Felsen in Pantoffeln auf und ab kletterte, denn die unregelmäßigen, abschüssigen und spiegelglatten Felsenstufen waren zuweilen recht schwierig zu passiren, so daß der gute R., der obenein eiserne Absätze an seinen Stiefeln hatte, oft nur mit der größten Anstrengung und bittern Klagen über die ungemeine Beschwerlichkeit: Felsen auf glatten Eisen hinabzuklettern, den sichern Boden wieder erreichte.

 

Die Ausschreibungsfrist des Litac Verlags für die Anthologie "In der Tiefe" läuft noch bis zum 30.11.2017.

 

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